Nordkorea / China 2012


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 ... Im Reich des Kim Il-sung ...
  - Hamhŭng und Hŭngnam - Tag 2 -

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05. September 2012 - Punkt 500 Uhr klingelte uns das Zimmertelefon aus dem Schlaf. Wow, hatten es unsere Gastgeber aber eilig. Eigentlich hatten wir eher mit einem übertrieben gemächlichen Tagesablauf gerechnet, mit Frühstück ab 800 Uhr und einem möglichst kurzem Zeitfenster für alle Aktivitäten außerhalb unseres goldenen Käfigs. Wie die Sache nun aber aussah, war (zumindest heute) das Gegenteil der Fall. In einem der Speisesäle des "Janggakdo" erwartete uns bereits ein opulentes Frühstücksbuffet mit koreanischen und europäischen Elementen. Doch viel Zeit zum Schlemmen blieb uns nicht: Kaum hatte mir einer der Köche zwei frisch zubereitete Spiegeleier auf den Teller geschoben, rief auch schon Mäng Kyong Nam, einer unserer nordkoreanischen Reiseleiter, zur Eile. Unser Bus wartete bereits auf dem Hotelvorplatz.

Während die deutsche Fraktion unserer Gruppe leidlich gesättigt und – nun ja, zumindest halbwegs ausgeschlafen im Bus wartete, schleppte sich der finnische Teil unter den missbilligenden Blicken unserer Gastgeber arg verspätet und schwer gezeichnet von einer durchzechten Nacht in das Gefährt. Kurz darauf fuhren wir durch den nicht allzu dichten morgendlichen Berufsverkehr Pjöngjangs in Richtung Flughafen. Unterwegs erinnerte uns Herr Song noch einmal eindringlich an die zahlreichen Ge- und Verbote die für unsere Reise galten und offenbarte schließlich und endlich unser heutiges Tagesziel: Hamhŭng ! - Hamhŭng ? - Die Hafenstadt am Japanischen Meer ? Nicht nur ich war überrascht: galt Hamhŭng in den wenigen Berichten, die ich vor der Reise über Nordkorea in die Hände bekommen hatte, doch als "Geschlossene Stadt" - als Sperrgebiet für Ausländer ! Auf unserem offiziellen Reiseplan stand Hamhŭng jedenfalls nicht mit drauf. Nun ja, der Tag versprach interessant zu werden ...

In der Flughafenhalle herrschte, vom allgegenwärtigen Sicherheitspersonal einmal abgesehen, gähnende Leere. Laut Anzeigetafel sollten heute genau drei Maschinen starten bzw. landen - unser Charterflug nicht mit eingerechnet. Die kurze Wartezeit bis zum Boarding nutzen wir, ein paar in der Halle aufgestellte Schautafeln zu studieren. Meistenteils handelte es sich um Werbeplakate für das diesjährige Arirang-Festival in Pjöngjang, doch eine Vitrine mit einem Buch, ein Bildband voller Bäume, fesselte schnell unsere Aufmerksamkeit. Der in koreanischer und englischer Sprache aufgedruckter Titel des Buches lautete "Trees Kim Jong-il looked at". Ein Buch über Bäume, die der "Ewigen Vorsitzenden" angeschaut hatte ! War das wirklich ernst gemeint ? Wir konnten uns ein herzliches Lachen einfach nicht verkneifen - und verdienten uns damit die erste Rüge des Tages von unseren allgegenwärtigen Aufpassern.

Kurz darauf auf dem Rollfeld: Eine hochbetagte, aber offensichtlich recht gepflegte Iljuschin IL-18 in den Farben der nordkoreanischen Air Koryo stand bereit für unseren ersten Ausflug ins Landesinnere. Selbstverständlich wuselten die Flugzeug-Fanatiker unserer Reisegruppe (mich eingeschlossen) die Pfiffe der wachhabenden Flughafenpolizisten ignorierend um die Maschine, um möglichst den besten Winkel für eine gute Aufnahme zu finden. Wann hat man schon mal die Gelegenheit, einen solchen Veteranen der Luftfahrtgeschichte zu sehen – und dann auch noch damit zu fliegen ! Nachdem schließlich auch das letzte Mitglied unserer kleinen Gemeinschaft von unseren inzwischen schon leicht gestresst wirkenden Reiseleitern in die Maschine komplimentiert worden war und die beiden für uns zuständigen Stewardessen ihre obligatorische Sicherheitsvorführung abgespult hatten, setze sich das Fluggerät, angetrieben durch seine vier alles übertönenden Propeller, schneller und schneller werdend in Bewegung. Exakt 807 Uhr hob die IL-18 ungeachtet ihres beachtlichen Alters problemlos vom "Sunan-Airport" ab und flog über eine meistenteils bergige Landschaft gen Nordosten. Unter uns zogen bewaldete Hügel, Reisfelder und hin und wieder eine kleinere Ortschaft vorbei – eine offene Landschaft die von amerikanischen Spionagesatteliten wahrscheinlich schon tausendemale in höchster Auflösung abgelichtet worden war. Trotzdem beharrten unsere Reiseleiter vehement auf dem Verbot, Fotos durch die Bullaugen des Fliegers zu schießen. Das fing ja schon wieder gut an ! Natürlich versuchten wir es trotzdem – jeden Augenblick der Unaufmerksamkeit unserer Bewacher nutzend, starteten wir damit ein Katz-und-Maus-Spiel, welches uns in den vor uns liegenden 14 Tagen dieser Tour noch so manche Strafpredigt, aber auch viele schöne und eindrucksvolle Bilder vom nördlichen Teil Koreas bescheren würde. Denn dafür waren wir schließlich hierhergekommen: um zu sehen, zu erleben und natürlich auch zu dokumentieren wie dieses scheinbar so fremdartige Land wirklich war, wie die Menschen hier lebten und arbeiteten, wie richtig oder falsch das Bild war, welches in unseren westlichen Medien von Nordkorea gezeichnet wurde. Und dafür waren unzensierte Bilder einfach wichtig !


Fortsetzung folgt ...

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Bericht: Heiko Otto
Oktober 2012    

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