Nordkorea / China 2012


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 ... Im Reich des Kim Il-sung ...
             - Die Anreise - Tag 1 -

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Am 03. September 2012 war es dann endlich soweit: Pünktlich 617 Uhr verließ der ICE 1656 den Erfurter Hauptbahnhof in Richtung Frankfurt / Main. Alle bürokratischen Hürden für die bevorstehende Reise waren genommen, alle Vorbereitungen abgeschlossen. Selten zuvor hatte ich eine Tour so gründlich geplant - und doch war ich schon lange nicht mehr so aufgeregt zu einer Reise aufgebrochen. Marko und Thomas ging es nicht anders - das war unschwer zu übersehen. Die ganze Fahrt über gab es für uns nur ein Thema: Nordkorea ! Würde uns die Einreise wirklich gelingen ? Was würde uns in diesem ach so fremden Land erwarten ? Wer waren die Leute, mit denen wir die nächsten Wochen unterwegs sein würden ? Die anderen mit im Abteil sitzenden Reisenden mussten uns schlichtweg für bekloppt halten.
Ankunft in Pjöngjang
Gute drei Stunden später erreichten wir den Flughafen Frankfurt. Check In, Sicherheitskontrollen, Boarding - alles verlief wie gewohnt und ohne Zwischenfälle - und doch schien irgendwie nichts wie sonst zu sein. Erst als Flug EY2 mit uns an Bord in Richtung Peking abhob, schien es zur Gewissheit zu werden: Wir waren wirklich und wahrhaftig auf dem Weg nach Pjöngjang - irre ! Lange, unbequeme Stunden später hießt es dann "Huānyíng lái dào zhōnghuá rénmín gònghéguó - Willkommen in der Volksrepublik China". Am ziemlich abgelegenen Schalter von Air Koryo - der nordkoreanischen Fluggesellschaft - erwartete uns - ganz wie verabredet - unser Kontaktmann Manfred, um uns die Tickets für den Weiterflug sowie diverse Unterlagen für die Einreise und den Aufenthalt im nördlichen Teil Koreas zu überreichen. Auf dem weiteren Weg ins Reich des Kim Il-sung wollte er uns allerdings nicht begleiten.
Flughafen Pjöngjang
Eine in den Farben Nordkoreas gehaltene, noch aus Sowjetzeiten stammende IL-62, deren Flugkilometer höchstwahrscheinlich leichter in Astronomischen Einheiten als in Kilometern zu beziffern waren, sollte uns die letzte, alles entscheidende Etappe hin zum Ziel all der langen Vorbereitungen bringen. Das entsprach durchaus unseren Vorstellungen von Allem, was da in den nächsten Tagen und Wochen noch auf uns zukommen könnte. Fast voll besetzt hob die betagte Maschine am frühen Nachmittag des 04. Septembers 2012 von Peking ab, um Kurs auf die Koreanische Halbinsel zu nehmen. Die Passagiere: fast alles Asiaten, wahrscheinlich Chinesen, doch hier und da hatten auch eine paar Europäer Platz genommen - das würden dann wohl unsere Reisegefährten für die nächsten Tage sein. Ihrem Alter trotzend überquerte die Iljuschin 62 problemlos das Chinesische Meer, um gute zwei Stunden später sicher in Pjöngjang zu landen. Der Augenblick der Wahrheit war gekommen ...

Von der Gangway wirkte der Airport klein und beschaulich - keinesfalls wie ein Hauptstadtflughafen. Einreisekontrolle am FlughafenEin Blick über das Rollfeld ließ vermuten, dass hier eher selten Flugzeuge landeten. Einen Bus zum Terminal schien es nicht zu geben und so schickten sich die ersten Passagiere bald an, den Weg zur Ankunftshalle per Pedes zurückzulegen. Hier und da wurden Fotoapparate gezückt, um die am Rande geparkten Maschinen sowjetischer Konstrukteure abzulichten - keinen der wartenden Uniformierten schien das zu stören - erstaunlich ! Vor dem Terminal dann die erste Kontrolle: Zwei Beamte inspizierten die Visa-Vermerke in den Reisepässen. Die eigentliche Einreise ging fast ebenso schnell - ein Blick in den Pass, ein Vermerk im Computer, ein Stempel - rumps ! - und fertig. Das war irgendwie schon fast zu einfach. Vor der Halle gruppierten drei Herren in gut sitzenden Anzügen alle europäisch aussehenden Ankömmlinge, um sich uns als Reiseleiter und Kontaktpersonen für die anstehende Rundreise vorzustellen: Herr Song, Herr Pak und Herr Mäng - alle samt eines gut verständlichen Englischs, Letzterer sogar der deutschen Sprache mächtig.

Für die Fahrt Richtung Zentrum erwartete uns ein moderner klimatisierter Reisebus mit getönten Scheiben. (Selbige dienten - wie sich bald zeigte - nicht nur dem Sonnenschutz, sondern auch als probates Mittel gegen unerlaubtes Fotografieren aus dem Bus.) Die Fahrt ansich nutze Herr Song uns eine Reihe von Benimm-Regeln nahezubringen und die unumgänglichen Verbote aufzuzählen: Kein nichtorganisierter Kontakt zu Einheimischen, keine Fotos ohne Erlaubnis, erst recht keine Fotos von Militäreinrichtungen oder Uniformierten (was das erlaubte fotografieren generell fast schon unmöglich machte, da - unübersehbar - Militär in Nordkorea quasi allgegenwärtig war), kein Entfernen von der Gruppe, erst recht nicht ohne Begleitung eines Reiseleiters und, und, und ... Mansudae-Monument PjöngjangDie Krönung des Ganzen bildete die Konfiszierung aller Mobiltelefone und GPS-fähigen Geräte - selbstredend mit der Versicherung, dass wir alles vor der Ausreise zurückerhalten würden. Wir nahmen alles gelassen hin - alles bis auf die Begründung, warum diese Geräte einkassiert wurden: Das nationale nordkoreanische Funknetz hätte - so Herr Mäng - eine Frequenz, die unsere westeuropäischen Geräte zerstören würde - das war dann doch etwas zu Dick aufgetragen. Murrend verwahrten wir uns dagegen, für dumm verkauft zu werden - nur um am Ende doch brav alle verlangten Geräte abzugeben. Immerhin durften wir ja unsere Fotoapparate behalten ...

Das Großmonument Mansudae auf dem gleichnamigen Hügel im Zentrum Pjöngjangs ist eine Art nationales Heiligtum - ein Schrein für die großen Führer des Volkes. Und um an dieser Größe auch ja keinen Zweifel aufkommen zu lassen, wurden die Abbilder der geliebten Führer in monumentaler Größe geschaffen: Zwei 20 Meter hohe Bronzefiguren von Kim Il-sung, dem "Ewigen Präsidenten" und Kim Jong-il, dem "Ewigen Vorsitzenden", bilden das Herzstück der imposanten Anlage. Was wäre besser als erstes Ziel für eine Nordkorea-Reise geeignet, als dieses Monument ? Mansudae-Monument PjöngjangDie Aufforderung, am Eingang Blumen für die verblichenen Herrscher zu kaufen, ignorierten wir geflissentlich, doch der beeindruckenden Wirkung des Monuments konnten und wollten wir uns nicht entziehen. Wozu auch sonst waren wir hierhergekommen ? Ein Meer aus Blumen füllte den Bereich zu Füßen der riesigen Figuren; wurde von den zahlreichen Besuchern stetig vergrößert. Die Menschen, die wir hier erstmals aus nächster Nähe sahen, wirkten ernst, aber auch andächtig. Und sie erweckten durchaus den Eindruck, aus eigener innerer Überzeugung ihren toten Führern zu huldigen. Ausnahmslos alle waren gut, teilweise sogar festlich gekleidet, niemand sah unterernährt oder übermäßig verhärmt aus. Viele hatten sogar Fotoapparate oder Handys dabei. Kurz, es hätte eine ganz normale Szene irgendwo an einem beliebigen Ort der Welt sein können, wenn ... - ja wenn da nicht diese riesigen bronzenen Inkarnationen eines unglaublich anmutenden Personenkults gewesen wären. Fotografieren war hier ausdrücklich erlaubt - natürlich nur mit Auflagen: Besucher am Mansudae-MonumentKeine Uniformierten - na klar - und keine Teilansichten der gigantischen Statuen (was ein beachtliches Weitwinkelobjektiv voraussetzte). Flankiert wurde die Anlage von zwei mächtigen Reliefs mit hunderten übermannsgroßer Figuren, die mitten im Sturm auf die Feinde des Volkes zu Stein erstarrt zu sein schienen. Kein Zweifel: Das haben echte Künstler erschaffen !

So wie wir die Szenerie, das Geschehen, die Menschen beobachteten, wurden natürlich auch wir beobachtet - manchmal offen und neugierig, meist jedoch heimlich und schüchtern - und ja, teilweise auch abweisend und feindselig. Für diese Menschen waren wir die Fremden, die Exoten, die Eindringlinge in ihrer abgeschotteten Welt - und ganz offensichtlich gefiel nicht jedem, dass wir hier waren. Doch niemand - außer unseren offiziellen Begleitern - unternahm irgendeinen Versuch, Kontakt mit uns aufzunehmen. Mit diesen ersten Eindrücken und einigen schönen Aufnahmen im Kasten wurden wir (schneller als uns lieb war) wieder zurück in den Bus komplimentiert: Ende des Freigangs ! Nächster Halt: Das gut abgeschirmte Yanggakdo Hotel auf der Yanggak-Insel inmitten des breiten, die Hauptstadt durchschneidenden Taedong-Flusses.
Yanggakdo-Hotel Pjöngjang
47 Stockwerke, ein mächtiger Klotz aus grauem Beton und Glas, der 170 Meter in den Himmel Pjöngjangs ragt - nein das "Yanggakdo International" - unsere Unterkunft für die nächsten Tage - war definitiv nicht zu übersehen. Der Standort des Hotels war - aus Sicht unserer Gastgeber - ganz hervorragend gewählt: Inmitten der Stadt und doch durch die träge dahin ziehenden Fluten des Taedong-gang von selbiger weitestgehend isoliert. Eine gut bewachte Autobrücke, die quer über die Insel den Fluss überspannte, bildete die einzige Möglichkeit, andere Teile der Stadt zu erreichen. Ein privater Abstecher, eine kleine unerlaubte Exkursion durch Pjöngjang ohne unsere Aufpasser, schien somit schon von vornherein zum Scheitern verurteilt. Doch von der fehlenden Freizügigkeit im Ausgang einmal abgesehen, ließ das Yanggakdo kaum Wünsche offen. Neben dem großzügigen, mit Marmor verkleideten Foyer, in dem wir zunächst offiziell begrüßt wurden, gab es mehrere gut ausgestattete Bars und Restaurants, einen mit großen Wandmalereien verzierten Bankettsaal und diverse weitere Speiseräume, ein paar kleinere Geschäfte, eine Post und einen Friseursalon, eine Bowlingbahn, einen Billard-Raum, sogar ein Hallenbad, ein Casino und einen Massage-Club. Den Clou aber bildete das "Drehende Restaurant" auf dem Dach des Gebäudes mit seinem grandiosen Panorama über weite Teile der Innenstadt. Kein Zweifel: das Yanggakdo war ein schicker goldener Käfig für ausländische Besucher Pjöngjangs.
Yanggakdo-Hotel Pjöngjang
Rückblickend hatten wir uns vor der Reise nur wenige Gedanken über unsere Unterkünfte in Nordkorea gemacht - zumal es echte Wahlmöglichkeiten bezüglich derselben für uns eh nicht gab. Unsere Erwartungen waren - vorsichtig ausgedrückt - nicht sonderlich hoch gewesen. Entsprechend überrascht und ja, durchaus beeindruckt waren wir nun von dem, was uns hier geboten wurde. Die Zimmer des Yanggakdo (angeblich gab es über 1000 Stück - für welche immensen Besucherströme man diese auch immer geplant hatte blieb uns bis zum Schluss schleierhaft) waren groß und sauber, wenn auch ein wenig altbacken eingerichtet. Unser Apartment lag im 25. Stockwerk und bot einen wunderschönen Blick auf den von Nordosten kommenden Taedong und das beide Ufer des breiten Stroms einnehmende Stadtzentrum Pjöngjangs. Doch hatten wir vorerst kaum Gelegenheit, diese Aussicht zu genießen, denn kaum war unser Gepäck im Zimmer wurden wir bereits zum Abendessen in einen der großen Speisesäle gerufen. Wie sich schnell zeigte, hielt auch die Verpflegung locker internationalen Standards stand. Es gab koreanische Spezialitäten, aber auch chinesische und europäische Gerichte, vegetarisches Essen gleichermaßen wie Fleisch und Fisch, jede Menge "Kimchi", das für Korea typische, sauer eingelegte Gemüse, welches irgendwie an Spreewald-Gurken erinnerte, aber nicht nur aus Gurken sondern aus allen möglichen Gemüsearten bestand - und bergeweise Süßspeisen. Kurz: Nichts deutete darauf hin, dass es uns in den kommenden Tagen an irgendetwas mangeln könnte. Wie passte das aber mit den zuhause in Deutschland wieder und wieder gehörten Meldungen von Hungersnöten und Mangelwirtschaft hierzulande zusammen ? Mussten wir ein schlechtes Gewissen haben, weil wir der notleidenden Bevölkerung die letzten Bissen wegaßen ? Die Menschen, die wir bisher zu Gesicht bekommen hatten, machten keineswegs den Eindruck an Unterernährung zu leiden. Doch wie sah es außerhalb der Hauptstadt aus ? Wir nahmen uns vor, der Sache baldmöglichst auf den Grund zu gehen – und langten (wenn auch mit etwas zwiespältigen Gefühlen) erst einmal ordentlich zu ...

Pjöngjang - Panorama
Den Rest des Abends verbrachten wir gemeinsam mit den anderen Teilnehmern unserer kleinen Reisegruppe, die, wie sich jetzt zeigt, nicht nur deutsche sondern auch ein paar finnische Mitglieder hatte, im "Drehenden Restaurant" auf dem Dach unserer Luxusherberge, probierten nordkoreanisches Bier (welches übrigens recht süffig ist), tauschten Reiseerlebnisse aus, sinnierten über den weiteren Verlauf des gemeinsamen Unternehmens und genossen vor allem den spektakulären Blick über das nächtlich illuminierte Pjöngjang. (Auch die Stromversorgung schien hier, in der Hauptstadt, ganz offensichtlich kein Problem darzustellen.) Erst viel zu spät in der Nacht konnten wir uns von diesem bezaubernden Anblick losreißen, um endlich den infolge der langen Anreise verpassten, dringend benötigten Nachtschlaf nachzuholen.

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Bericht: Heiko Otto
Oktober 2012    

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